Welche Zahlen zu Klimaflucht gibt es?
Daten zu verschiedenen Formen von Klimaflucht²
Migration innerhalb und über Grenzen
Unvollständige Daten zur aktuellen bzw. historischen Lage, jedoch eine zunehmende Zahl von quantitativen Länderstudien, die deutliche Effekte finden. Ebenfalls werden mehr und bessere Zukunftsprognosen veröffentlicht, die aber weiter mit Unsicherheiten behaftet sind.
Vertreibung innerhalb und über Grenzen
Binnenvertreibung ist die am besten erforschte Form von Klimaflucht – mit im Schnitt jährlich über 29 Millionen Fällen seit Aufzeichnungsbeginn. Das sind mehrere Zehntausend pro Tag. Vorrangiger Treiber sind schnell einsetzende Gefahren wie Fluten, wobei schleichende Umweltveränderungen wie Meeresspiegelanstieg unterbeziffert sind. Ein Teil hiervon ist klimagetrieben. Binnenvertreibung kann unterschiedlich lange dauern. Zu Menschen, die klimabedingt über Grenzen hinweg fliehen, liegen nur wenige verlässliche Informationen vor – meist aus kleineren Fallstudien. Auch hier gibt es einige wenige, regional begrenzte und mit Unsicherheiten behaftete Modellierungen für die Zukunft.
Evakuierungen
Eine besondere Form der Vertreibung, über die es wenig verlässliche Daten gibt. Evakuierungen können kurzfristig, aber auch wiederkehrend oder dauerhaft sein. 2019 waren über ein Drittel der Binnenvertreibungen staatlich angeordnete Evakuierungen. Da viele Menschen bei Bekannten unterkommen, wird diese Form oft unterbeziffert.
Geplante Umsiedlungen
Vorbereitete Umzüge ganzer Gruppen oder Gemeinden wegen Klimafolgen finden weltweit statt. Es gibt über 400 bekannte Fälle, doch nur wenige weitere Daten dazu. Solche geplante Umsiedlungen sind noch relativ selten, werden aber in Zukunft häufiger erwartet.
Bereits Geflohene
Viele der Menschen, die heute schon auf der Flucht sind, leben in Gebieten, die die Klimakrise besonders stark trifft. In den letzten zehn Jahren kamen über 80 % der neu Vertriebenen aus solchen Staaten (welche gleichzeitig einen Großteil der weltweiten Geflüchteten und Binnenvertriebenen beherbergen – obwohl sie selbst oft nur begrenzte Ressourcen haben).
Freiwillig Bleibende und Eingeschlossene
Manche Menschen entscheiden sich, in Risikogebieten zu bleiben. Andere können nicht wegziehen, obwohl sie wollen – sie sind „eingeschlossen“. Zu diesen Gruppen gibt es gegenwärtig kaum Daten, aber einige Prognosen legen nahe, dass die Klimakrise viele Menschen künftig vor Ort „eingeschlossen“ halten könnte.
Wie viele Menschen genau künftig von Klimaflucht betroffen sein werden, lässt sich schwer sagen; weil viele Faktoren eine Rolle spielen und Modellierungen mit Schätzwerten, Datenlücken sowie Ungewissheiten einhergehen.³ Zahlen sind daher mit Vorsicht zu genießen. Worin die Modelle übereinstimmen, ist, dass Klimaflucht innerhalb von Landesgrenzen stark steigen könnte.⁴ Gleichzeitig zeigen sie, dass mehr Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung mehr Menschen Lebenschancen vor Ort ermöglichen.⁵ Klimaflucht macht dabei nur einen Teil der Gesamtmigration aus.⁶ Nicht alle Menschen können oder wollen sich bewegen: Besonders arme und verletzbare Gruppen könnten zunehmend „eingeschlossen“ werden.⁷
Quellen:
(2) Daten zu Migration:
Migration Data Portal (2024): Climate and Environmental Migration. Link zur Quelle.
Thiede, B. C. (2023): Climate Variability and Internal Migration to Urban and Rural Areas: Evidence from Global Microdata. Link zur Quelle.
Thiede, B., Gray, C., & Müller, V. (2016): Climate variability and inter-provincial migration in South America. Link zur Quelle.
Daten zu Binnenvertreibung:
Global Internal Displacement Centre (IDMC) (2025): Global Internal Displacement Database. Link zur Quelle.
Daten zu Umsiedlungen:
Bower, E. and S. Weerasinghe (2021): Leaving Place, Restoring Home. Enhancing the Evidence Base on Planned Relocation Cases in the Context of Hazards, Disasters, and Climate Change. Link zur Quelle.
Daten zu Evakuierungen:
McAdam, J. (2022): Evacuations: a form of disaster displacement? Link zur Quelle.
Daten zu bereits Geflohenen:
United Nations High Commissioner for Refugees UNHCR (2024): No Escape: On the frontlines of climate change, conflict and forced dis-placement. Link zur Quelle.
Daten zu Immobilität:
Benveniste, H., M. Oppenheimer and M. Fleurbaey (2022): Climate change increases resource-constrained international immobility. Link zur Quelle.
Choquette-Levy, N. et al. (2021): Risk transfer policies and climate-induced immobility among smallholder farmers. Link zur Quelle.
(3) Schewel, Dickerson, Madson and Alveiro (2024): How well can we predict climate migration? A review of forecasting models. Link zur Quelle.
Selby, J. and Daoust, G. (2021): Rapid evidence assessment on the impacts of climate change on migration patterns. Link zur Quelle.
(4) Cissé et al. (2022) wie in Endnote 1
Clement, V. et al. (2021): Groundswell Part 2: Acting on Internal Climate Migration. Link zur Quelle.
(5) Clement, V. et al. (2021), Groundswell Part 2: Acting on Internal Climate Migration, World Bank, Washington, D.C.. Link zur Quelle.
(6) Amakrane, K. et al. (2023): African Shifts: The Africa Climate Mobility Report, Addressing Climate-Forced Migration & Displacement. Link zur Quelle.
(7) Benveniste et al. und Choquette-Levy al. wie in Endnote 2
DeWaard, J. et al. (2022): Operationalizing and empirically identifying popula-tions trapped in place by climate and environmental stressors in Mexico. Link zur Quelle.
(8) Migration Data Portal (2024): International Migrant Population (Stocks). Link zur Quelle.
United Nations Development Programme (UNDP) (2020): Human Mobility, Shared Opportunities. A Review of the 2009 Human Develop-ment Report and the Way Ahead. Link zur Quelle.
United Nations Development Programme (UNDP) (2022):Turning the Tide on Internal Displacement: A Development Approach to Solutions. Link zur Quelle.
(9) Amakrane et al. (2023) wie in Endnote 6; Beltran, Paula, and Metodij Hadzi Vaskov (2023): Climate and Cross Border Migration. Link zur Quelle.
Clement et al. (2021) wie in Endnote 4.
(10) Wie in Endnote 6.