Welche Lösungen braucht es für die Klimaflucht?

Staaten sind verpflichtet, Klimaflucht zu verhindern und würdige Lösungen zu schaffen.¹ Das ergibt sich aus dem Völkerrecht.ª Doch klare Zuständigkeiten, Strategien und ein verbindlicher Rahmen fehlen. Politische Interessen, begrenzte Ressourcen, die Verstreuung des Themas über verschiedene Politikfelder und seine Komplexität bremsen Fortschritte.

Die Flüchtlingskonvention schützt nur selten bei Klimaflucht. Es gibt einzelne andere Instrumente aus den Feldern Flucht und Migration, doch sie sind meist unverbindlich, lückenhaft oder decken nur wenige Betroffene ab. Für Binnenvertriebene fehlt oft ein wirksamer Status. Andere relevante Politikfelder wie Menschenrechte, Entwicklung, Katastrophenvorsorge und Klima- bzw. Umweltschutz enthalten zwar hilfreiche Ansatzpunkte, bieten aber keinen ausreichenden, verbindlichen Gesamtrahmen.

Insgesamt bleibt der Schutz für Menschen, die durch die Klimakrise vertrieben werden oder nicht wegkönnen, unzureichend.² Es braucht deutlich mehr politisches Handeln, Koordination und rechtliche Absicherung.

Dies umso mehr, da viele Menschen, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass alle Maßnahmen – von Emissionsminderung bis hin zu Schutz für Geflüchtete und bessere Migrationswege – fair, solidarisch und inklusiv sein müssen.

Dringend gebraucht werden Lösungen auf fünf Ebenen:³

1. Vertreibung vorbeugen
2. Menschen unterstützen, die trotz Risiken bleiben
3. Sichere Wege für Migration schaffen
4. Schutz für Geflüchtete gewährleisten
5. Gerechte Antworten für klimabedingte Verluste und Schäden entwickeln

Nur eine umfassende und gerechte Ausrichtung verhindert, dass Ungleichheiten wachsen und Millionen Menschen in gefährliche oder ausweglose Situationen geraten.


Quellen:

(a) Bestehende internationale Verpflichtungen – wie aus menschenrechtlichen Normen, den Nachhaltigkeitszielen und dem Globalen Migrationspakt – erzeugen mehrere völkerrechtlich tragfähige Pflichten der internationalen Gemeinschaft. Vgl. Aleinikoff & Martin, in Endnote 1.

(1) Aleinikoff, T.A. (2020): Environmental Mobility: The Responsibility of the International Community. Link zur Quelle.
Braun, K. (2023): Addressing the Protection Gap ‒ Human Mobility and the Climate Crisis in International Frameworks. Link zur Quelle.
Gagnon, Hesemann, and Bergmann (2023): Addressing forced displacement in climate change adaptation: No longer a blind spot. Link zur Quelle.
Wright, E., D. Tänzler and L. Rüttinger (2020): Migration, environment and climate change: Responding via climate change adaptation policy. Link zur Quelle.

(2) Gagnon, Hesemann, and Bergmann (2023) wie in Endnote 1.

(3) Climate Migration Council (2024): Advocating for Change: A Compendium on Climate Mobility. Resources for raising awareness and driving action toward solutions. Link zur Quelle.