Welche Folgen hat Klimaflucht?

Wie geht es verschiedenen Gruppen, die von Klimaflucht betroffen sind?

Betroffene:
Klimabedingte Flucht und Evakuierungen können Leben retten und Klimamigration und Umsiedlungen manchmal zur Anpassung beitragen.¹  Wenn eine Katastrophe geschieht, müssen Menschen sich in Sicherheit bringen können. Wenn die Lebensgrundlage verloren geht, verbleiben oft nur schwierige Optionen. Ein Wegzug in ein weniger betroffenes Gebiet kann darunter noch die hilfreichste sein. Politik, die notwendige Flucht verhindert, führt zu mehr Leid.²   Gleichzeitig verursacht Klimaflucht oft erhebliche Belastungen für Betroffene.³  Diese hängen stark davon ab, wie gut Politik, Planung und soziale Unterstützung organisiert sind und welche Ressourcen die Betroffenen haben. Geflüchtete verlieren oft ihre Lebensgrundlagen, Gesundheit, Sicherheit, Bildungszugang, kulturelle Identität und Wohlergehen. Familien werden getrennt. Besonders stark gefährdet sind bereits benachteiligte Menschen. Während freiwillige, sichere Migration manchmal zur Klimaanpassung beitragen kann, ist das bei Flucht unwahrscheinlicher. Geplante Umsiedlungen können Klimarisiken reduzieren, aber auch Unsicherheit und Stress verursachen.⁴

Herkunftsorte:
Klimabedingte Abwanderung stellt Herkunftsorte vor komplexe Herausforderungen.⁵  Wenn Menschen gehen, können ganze Gemeinschaften an Arbeitskraft, Wissen und sozialem Zusammenhalt verlieren – mit Folgen für lokale Wirtschaft, Gesundheitsversorgung und politische Stabilität. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass besonders verletzliche Gruppen zurückbleiben. Dennoch entstehen auch Potenziale. Viele Menschen, die gegangen sind, überweisen z.B. Geld zurück in ihre Heimatorte und solche finanziellen Rücküberweisungen können unter bestimmten Umständen wichtige Ressourcen für Klimaanpassungsmaßnahmen schaffen.

Ankunftsorte:
Auswirkungen auf die Ankunftsorte sind vielschichtig und kontextabhängig.⁶  Kurzfristig können höhere Nachfrage nach Arbeit, öffentliche Leistungen, Wohnraum oder Infrastruktur entstehen. Mit der Zeit kann der Zuzug aber auch beispielsweise die Wirtschaft unterstützen, wie durch Steuereinnahmen und Arbeitskraft. Die Effekte variieren je nach Land, Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Ressourcen und Politik – und sind nicht in Stein gemeißelt. Es liegt an der Gesellschaft und Politik, einen guten Rahmen zu schaffen, um Potenziale für alle zu nutzen und Herausforderungen abzumildern.

Bereits Geflüchtete:
Die Klimakrise gefährdet auch bereits Geflüchtete, egal aus welchen Gründen diese ursprünglich geflohen waren.⁷  Die meisten von ihnen leben in Regionen, die stark von Klimarisiken bedroht sind. Zum Beispiel sind Lager für Geflüchtete im Sudan und in Gaza von Überschwemmungen getroffen.⁸  Das verschärft bereits bestehende Risiken. Bis 2050 werden fast alle heutigen Siedlungen von Geflüchteten gefährlicher Hitze ausgesetzt sein; die 15 heißesten Lager in Afrika haben dann an fast 200 Tagen im Jahr gesundheitsgefährdende Hitze.⁹

Menschen, die bleiben:
Zuletzt sind auch Menschen, die in Risikogebieten bleiben, oft Gefahren ausgesetzt.¹⁰  Besonders hoch gefährdet sind diejenigen, die nicht wegkönnen: Sie sind dauerhaft Klimarisiken ausgesetzt, verlieren oft ihre Anpassungsfähigkeit und Wohlergehen und geraten in eine Abwärtsspirale der Verwundbarkeit. Auch freiwillig verbleibende Menschen können langfristig gefährdet sein, wenn die Klimabelastung zu- und Unterstützung abnimmt.


Quellen:

(1) Cissé et al. (2022): Health, Wellbeing, and the Changing Structure of Communities. Link zur Quelle.

(2) Webber, M. and J.R. Barnett (2010): Accommodating Migration To Promote Adaptation To Climate Change. Link zur Quelle.

(3) Bergmann, Jonas (2023): At Risk of Deprivation: The Multidimensional Well‑Being Impacts of Climate Migration and Immobility in Peru. Link zur Quelle.
Cissé et al. (2022) wie in Endnote 1
Guadagno, L. and Yonetani, M. (2022): Displacement risk: Unpacking a problematic concept. Link zur Quelle.

(4) Bower, E.R., Badamikar, A., Wong-Parodi, G. et al (2023): Enabling pathways for sustainable livelihoods in planned relocation. Link zur Quelle.

(5) Wie in Endnote 1.

(6) Gemenne, F. et al. (2017): Making mobility work for adaptation to environmental changes. Link zur Quelle.
Webber und Barnett (2010) wie in Endnote 2

(7) United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) (2024): No Escape: On the Frontlines of Climate Change, Conflict and Forced Displacement. Link zur Quelle.

(8) Ahmed, A. et al. (2021): The impacts of climate change on displaced populations: A call for action. Link zur Quelle.
United Nations International Children's Emergency Fund (UNICEF) (2025): Mangelernährung gefährdet das Leben der Kinder in Gaza. Link zur Quelle.

(9) United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) (2025): Wetterextreme zwingen Millionen Menschen erneut zur Flucht. Millionen Vertriebene in Konfliktgebieten sind betroffen. Link zur Quelle.

(10) Bergmann, J. and Martin, S. F. (2023): Addressing climate change-related human immobilities. Link zur Quelle
Foresight (2011): Migration and Global Environmental Change: Future Challenges and Opportunities. Link zur Quelle.