Was macht Klimaflucht ungerecht?
Klimaflucht ist nicht nur eine Folge der Klimakrise, sondern auch Ausdruck globaler, sozialer und generationsübergreifender Ungleichheiten. Klimagerechtigkeit thematisiert, dass die Profite und Lasten der Klimakrise ungleich verteilt sind: Wer stark von den Aktivitäten profitiert, die Treibhausgasemissionen verursachen (wie industrielle Prozesse), überträgt Risiken oft auf andere. Man unterscheidet dabei drei Dimensionen:
- zeitlich (zukünftige Generationen tragen Lasten vergangener Generationen)
- räumlich (Globale Nord-Süd-Ungleichheiten)ª
- sozial (ungleiche Betroffenheit innerhalb von Gesellschaften)
- zeitlich (zukünftige Generationen tragen Lasten vergangener Generationen)
- räumlich (Globale Nord-Süd-Ungleichheiten)ª
- sozial (ungleiche Betroffenheit innerhalb von Gesellschaften)
In der Entstehung haben historisch gesehen Länder des Globalen Nordens durch Industrialisierung und koloniale Ausbeutung den Großteil der gesamten Treibhausgasemissionen verursacht, während der Globale Süden vergleichsweise wenig beigetragen hat.¹ Auf individueller Ebene verursachen die reichsten 10 % der Welt fast die Hälfte der globalen Emissionen, während die ärmsten 50 % nur einen Bruchteil beitragen.²
Die Betroffenheit ist ebenfalls ungleich: Verwundbarkeit hängt von Gesundheit, Lebensort, gesellschaftlichen Bedingungen, Politik und Ressourcen zur Anpassung ab. Rund 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen leben in besonders klimaanfälligen Regionen, oft im Globalen Süden, mit geringer Infrastruktur, politischen Konflikten und klimaanfälligen Lebensgrundlagen.³ Anpassungsmaßnahmen wie Küstenschutz sind teuer und stoßen an Grenzen, weshalb Verluste und Schäden immer häufiger unvermeidbar werden.
Auch die internationale Klimapolitik reflektiert historische Machtstrukturen: Der Globale Norden hat bei Klimaverhandlungen oft mehr Einfluss und finanziert den Großteil der Maßnahmen, während der Globale Süden stärker betroffen ist, aber weniger Ressourcen hat. Rechtliche Prinzipien wie „gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortlichkeiten“ erkennen diese Ungleichheit an, werden aber nur teilweise umgesetzt.
Klimaflucht ist vor diesem Hintergrund besonders ungerecht, weil diejenigen, die am wenigsten zur Entstehung der Klimakrise beigetragen haben, oft am stärksten betroffen sind und unter Druck geraten, die Heimat verlassen zu müssen. Auch auf individueller Ebene zeigt sich diese Ungerechtigkeit: Wohlhabendere Menschen können Risiken abfedern, beispielsweise durch Versicherung, technische Anpassungen oder Migration in sichere Regionen, während ärmere oder benachteiligte Bevölkerungsgruppen besonders verwundbar bleiben und entweder auf unsicheren Wegen weggehen oder vor Ort „eingeschlossen“ bleiben.
Nur durch globale Solidarität, konsequenten Klimaschutz, gerechte Anpassungsstrategien und faire Lösungen für Verluste und Schäden, die nicht mehr zu verhindern sind, können wir die Auswirkungen der Klimakrise abmildern und die Rechte und das Wohlergehen der Betroffenen sichern.
Quellen:
(a) Die Begriffe Globaler Norden und Globaler Süden beschreiben Länder anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Machtposition: Der Norden ist historisch privilegiert, teils durch Kolonialismus, der Süden benachteiligt, wobei die Einteilung nicht geografisch, sondern machtbasiert ist.
(1) S. Dhakal et al. (2022): Emissions Trends and Drivers. Link zur Quelle.
(2) Oxfam Deutschland (2025): Klimakluft: Wie Reiche das Klima belasten. Link zur Quelle.
(3) Wie in Endnote 1
Notre Dame Global Adaption Initiative (2025): Methodology. Vulnerability & Readiness. Link zur Quelle.
(1) S. Dhakal et al. (2022): Emissions Trends and Drivers. Link zur Quelle.
(2) Oxfam Deutschland (2025): Klimakluft: Wie Reiche das Klima belasten. Link zur Quelle.
(3) Wie in Endnote 1
Notre Dame Global Adaption Initiative (2025): Methodology. Vulnerability & Readiness. Link zur Quelle.