Kommt es durch die Klimakrise auch zu Konflikten und Vertreibung?
Die Klimakrise kann zu Konflikten und damit einhergehend zu Flucht führen; dies geschieht aber nicht zwangsläufig.¹ Klimafolgen wirken meist indirekt auf das Risiko von Konflikt, etwa über die Verknappung von Wasser, sinkende Ernteerträge oder den Verlust von Lebensgrundlagen. Ob daraus Gewalt entsteht, hängt stark von sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ab, etwa Ungleichheit, Ausgrenzung oder fehlender staatlicher Unterstützung.² Besonders gefährdet sind Regionen, in denen Regierungen nur begrenzt handlungsfähig sind, staatliche Institutionen instabil sind oder viele Menschen in Armut leben. Dort treffen Klimafolgen auf ohnehin schwierige Lebensbedingungen, und das kann Armut, Hunger und Unsicherheit verstärken, sowie im schlimmsten Fall Gewalt, und in deren Folge Flucht, auslösen. In Regionen wie der Sahel im Norden Afrikas verstärken sich Klima- und Konfliktrisiken bereits gegenseitig und führen zu mehr Vertreibung.³ Um das zu verhindern, braucht es langfristige Strategien, die humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung besser miteinander verbinden.⁴
Selbst wenn durch die Klimakrise Gewalt und Konflikte verstärkt werden, ist Vertreibung nicht die automatische Folge. Ob Menschen bleiben oder gehen, hängt letztlich sowohl von ihren persönlichen Möglichkeiten (etwa Alter, Geld oder sozialen Kontakten) und Entscheidungen als auch von größeren gesellschaftlichen Bedingungen (wie der Geografie und der Politik) ab.
Wichtig ist: Viele bereits durch Konflikte Vertriebene leben nicht nur in prekären Verhältnissen, sondern dazu auch noch in sehr klimagefährdeten Regionen, wie die folgende Karte zeigt.

Klimabedingte Gefahren (von blau wenig über gelb hoch zu rot extrem), 66 Länder mit mehr als einem konfliktbedingten Todesfall pro 100.000 Einwohner (2022, straffiert) und die Zahl der gewaltsam vertriebenen Menschen pro Land (je größer der Kreis, desto mehr)⁵
Quellen:
(1) Birkmann, J. et al. (2022): “Poverty, livelihoods and sustainable development”. Link zur Quelle.
(2) Burrows, K. and P.L. Kinney (2016): “Exploring the Climate Change, Migration and Conflict Nexus”. Link zur Quelle.
(3) OSCDS and UNHCR (2022): Moving from Reaction to Action Anticipating Vulnerability Hotspots in the Sahel. A Synthesis Report from the Sahel Predictive Analytics Project in Support of the United Nations Integrated Strategy for the Sahel. Link zur Quelle.
(4) Gagnon, Hesemann, and Bergmann (2023): Addressing forced displacement in climate change adaptation: No longer a blind spot. Link zur Quelle.
(5) United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) (2024): How the climate crisis is driving forced displacement in these five coun-tries. Link zur Quelle.
(2) Burrows, K. and P.L. Kinney (2016): “Exploring the Climate Change, Migration and Conflict Nexus”. Link zur Quelle.
(3) OSCDS and UNHCR (2022): Moving from Reaction to Action Anticipating Vulnerability Hotspots in the Sahel. A Synthesis Report from the Sahel Predictive Analytics Project in Support of the United Nations Integrated Strategy for the Sahel. Link zur Quelle.
(4) Gagnon, Hesemann, and Bergmann (2023): Addressing forced displacement in climate change adaptation: No longer a blind spot. Link zur Quelle.
(5) United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) (2024): How the climate crisis is driving forced displacement in these five coun-tries. Link zur Quelle.