Was ist mit Betroffenen, die nicht weg wollen oder können?

Nicht alle Menschen verlassen Hochrisikogebiete, selbst wenn sie bedroht sind.¹  Du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, dass das Zurücklassen des bisherigen Lebens nicht einfach ist. Klimaflucht ist ein häufiges, aber kein automatisches Ergebnis von Katastrophen.

Manche können nicht wegziehen – zum Beispiel wegen Armut, Krankheit, Verpflichtungen zuhause oder fehlender sozialer Netzwerke. Bei den individuellen Faktoren wie Alter und Gesundheit gibt es unterschiedliche Ausmaße an Verletzbarkeit bei den Betroffenen. Die Folgen der Klimakrise können auch diejenigen Ressourcen verringern, die Menschen fürs Verlassen ihrer Heimat bräuchten, zum Beispiel, indem Dürren Ernteeinträge verringert und dadurch Einkommen sinkt.²  Entgegen einer häufigen Auffassung ist (extreme) Armut eher ein Hindernis für das Weggehen. Zwar ist die Annahme plausibel, dass Menschen tendenziell versuchen werden, Verarmung und Perspektivlosigkeit rechtzeitig zu entkommen; jedoch ist nicht immer auch ein Weg, wo ein Wille ist.

Auch übergeordnete Faktoren spielen eine Rolle: Schlechte Regierungsführung, eingeschränkte Rechte oder fehlende staatliche Unterstützung erhöhen das Risiko, dass Menschen in gefährlichen Gebieten „eingeschlossen“ werden.³

Andere bleiben bewusst in Risikogebieten, zum Beispiel weil sie mit diesen stark verbunden sind.⁴  Insbesondere in indigenen Gebieten ist das häufig der Fall. Insgesamt ist das Zusammenspiel von vielen Faktoren - u.a. Ressourcen, sozialen Bindungen, Katastrophentyp, Geografie und Politik - entscheidend dafür, ob Menschen gehen, bewusst bleiben oder eingeschlossen werden.

Die Menschen, die bleiben, sind vor Ort oft vielen Risiken wie schwierige klimatische Bedingungen und mangelnde Unterstützung ausgesetzt. Daher ist auch die Kehrseite von Klimaflucht - also freiwillige und unfreiwillige Immobilität – eine Herausforderung, die es zu adressieren gilt.


Quellen:

(1) Bergmann, J. and Martin, S. F. (2023): Addressing climate change-related human immobilities. Link zur Quelle.

(2) Benveniste, H., M. Oppenheimer and M. Fleurbaey (2022): Climate change increases resource-constrained international immobility. Link zur Quelle.
Choquette-Levy, N. et al. (2021): Risk transfer policies and climate-induced immobility among smallholder farmers. Link zur Quelle.

(3) Thalheimer, L., et al. (2025): Prioritizing involuntary immobility in climate policy and disaster planning. Link zur Quelle.

(4) Thornton, Fanny, Diogo Andreolla Serraglio, and Alec Thornton (2023): Trapped or staying put: Governing immobility in the context of climate change. Link zur Quelle.