Welche Formen von Klimaflucht gibt es?

Wir sprechen von „Klimaflucht“, wenn Menschen ihren Lebensmittelpunkt für einen längeren Zeitraum verlassen müssen, weil sie erheblich von Klimafolgen betroffen sind. Diesen verkürzenden Oberbegriff verwenden wir nicht im rechtlichen oder politischen Sinne, denn unter die Flüchtlingskonvention fallen nur sehr wenige Fälle. Unser Ziel ist ein einfacher sprachlicher Zugang, der das häufige Element von Zwang in solchen Situationen betont. Denn viele Menschen verlassen ihr Zuhause unter großem Druck und mit begrenzten Möglichkeiten. Deshalb kann ihre Situation oft eher als Flucht verstanden werden - ohne damit Betroffenen gewisse Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten absprechen zu wollen.¹

„Klimaflucht“ umfasst mehrere Unterformen.² Man kann sie sich auf einer Art Spektrum vorstellen: Am einen Ende stehen Menschen, die fast gar keine Wahl haben und fliehen müssen (Vertreibung); am anderen Menschen, die etwas mehr entscheiden und planen können, ob, wann und wie sie weggehen (Migration). Daneben gibt es noch Evakuierungen, also schnelle Schutzbewegungen weg von akuter Gefahr, wie Stürmen, sowie Geplante Umsiedlungen, bei denen Menschen unterstützt und langfristig an neue Orte umsiedeln.

Klimaflucht spielt sich in unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Dimensionen ab. Sie kann innerhalb einer Nachbarschaft, einer Stadt, einer Region oder eines Landes geschehen. Sie kann wenige Stunden bis viele Jahre dauern - wie lange, ist sehr unterschiedlich und auch davon abhängig, ob und unter welchen Bedingungen eine Rückkehr überhaupt denkbar, möglich und gewünscht ist. Manche Menschen pendeln wiederholt zwischen Herkunftsort und Zielort, oft saisonal oder zeitlich begrenzt. Eine geringere Anzahl überschreitet auch Landesgrenzen.³ Die Kehrseite von all diesen Formen ist ebenfalls wichtig: Immobilität – Menschen, die trotz Risiken nicht weg wollen oder können.

Zum Abschluss: Wir verwenden "Klimaflucht" ohne einfache Ursache-Wirkung-Ketten zu behaupten. Hinter jeder Bewegung stehen mehrere, komplexe Ursachen. Auch die wissenschaftliche Zuordnung einzelner Extremereignisse zur Klimakrise verbessert sich zwar, bleibt aber komplex.⁴ Jedoch verdienen auch Menschen, die von „natürlichen“ Naturgefahren betroffen sind (also solchen, die auch ohne die Klimakrise bestehen würden), Schutz und Unterstützung.⁵


Quellen:

(1) de Haas, H. (2021): A theory of migration: the aspirations-capabilities framework Comparative migration studies. Link zur Quelle.
Gemenne, F. (2015): One good reason to speak of “climate refugees.”. Link zur Quelle.
Horton, R.M. et al. (2021): Assessing human habitability and migration. Link zur Quelle.

(2) United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) (1998): Guiding Principles on Internal Displacement. Link zur Quelle.
International Organization for Migration (IOM) (2019): Glossary on Migration. Link zur Quelle.
CCCM Cluster (2024): Guide for Planning Mass Evacuations in Disasters. Link zur Quelle.
Brookings Institution, Georgetown University, and UNHCR (2015): Guidance on Protecting People from Disasters and Environmental Change Through Planned Relocation. Link zur Quelle.

(3) Amakrane, K. et al. (2023): African Shifts: The Africa Climate Mobility Report, Addressing Climate-Forced Migration & Displacement. Link zur Quelle.

(4) Otto, Friederike E. L. (2023): Attribution of Extreme Events to Climate Change. Link zur Quelle.

(5) The Nansen Initiative (2015): Agenda for the Protection of Cross Border Displaced Persons in the Context of Disasters and Climate Change. Link zur Quelle.